Hallo und einen gesegneten Tag, Du Liebe/r

Heute möchte ich Dir wieder eine kleine Geschichte eines Zen-Meisters erzählen
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Stell Dir vor: ein schöner Morgen eines zauberhaften Frühlings in einer sanft hügeligen Landschaft mit einigen Bergen, die ein Tal umringen – die Blumen schon alle erblüht, ihr lieblicher Duft strömt in die Nase, die sanfte Brise streichelt das Gesicht, der nahegelegene kleine Fluss betört mit seinem Rauschen……der Friede und die Liebe in und zu allem ist fast schon greifbar.
In dieser wunderschönen Umgebung befindet sich ein kleines Dorf….harmonisch in die Natur integriert…..meist runde Bauten aus Dingen erbaut, die die Natur den Menschen schenkt/e.
Es ist ein friedvolles Dorf, in dem die Menschen gerne miteinander leben – doch auch hier gibt es immer wieder Dinge, die die Menschen betrüben.
Nur einen Menschen scheint nichts aus seiner Mitte zu bringen….was auch immer geschieht, der Zen-Meister Roan Suzuki ist immer ausgeglichen, bleibt immer ruhig, gelassen und seine Augen blicken stets wach und liebevoll in die Welt und auf die anderen Menschen.
Er lebt am Rande des Dorfes – direkt an einem kleinen Fluss und ist für die Menschen im Dorf immer der beliebteste Ansprechpartner – ob es um weltliche Dinge und Probleme geht oder um die spirituellen Fragen, die in ihnen aufkommen.
Die Kinder aus dem Dorf lieben ihn und besuchen ihn regelmäßig – hier können sie so sein, wie sie wollen….wie Kinder sind…wild, frei und voll unbändiger Lebenslust. Er hört ihnen zu, respektiert und achtet sie ebenso, wie er es auch mit den älteren Menschen tut und gibt ihnen auf viele wichtige Fragen Antworten.
….und Roan lacht, spielt und tollt mit ihnen herum, wie einer von ihnen – und das, obwohl er bestimmt schon über 80 ist.…
Seine physische Gewandtheit und Dehnbarkeit; seine Leichtigkeit, seine Energie…erstaunt alle aus dem Dorf.
Diesen Morgen sind die Kinder etwas bedrückt – der Vater eines Kindes war, als er die Ziegen von den Bergen wieder ins Tal holen wollte, ausgerutscht und abgestürzt…..er hatte noch Glück und brach sich „nur“ einen Fuß; würde nun wohl allerdings einige Zeit nicht mehr arbeiten können.
Das macht die Kinder nachdenklich….zumal sie auch schon den Tod kennengelernt hatten und auch durch diesen Unfall die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens erkannten – sie wissen nur einen, der ihnen Rat geben, sie aufklären kann…..daher besuchen sie den alten Zen-Meister in seiner Hütte.
Er ist gerade dabei den Reis zu wässern, den er in seinem kleinen Garten anbaut.
Als die Kinder ihn ansprechen, unterbricht er seine Tätigkeit und nickt ihnen freundlich und mit einem Lächeln zu.
Ein Mädchen, die Tochter des betroffenen Vaters, tritt näher an ihn heran.
Sie erzählt was passiert war, wie bedrückt sie und alle anderen Kinder sind und bittet um einen Rat …..bittet ihn, ihnen zu sagen, warum das Leben nicht immer nur schön ist.
Der Zen-Meister nickt, setzt sich auf den Boden und deutet allen an, sich zu ihm zu gesellen. So setzen sie sich alle in einen Kreis mit ihm.
Er sagt „ich werde Euch ausnahmsweise mal eine Geschichte erzählen“ – die Kinder sehen ihn mit erstaunten und mehr als neugierigen Augen an.
….denn sonst kümmert er sich nicht um Geschichten oder Dinge, die vergangen oder noch nicht geschehen waren – und redet immer nur über Dinge, die gerade jetzt geschehen.
Stellt Euch einen riesigen Fluss vor….ein Anfang und ein Ende sind nicht zu erkennen….stellt Euch vor, dieser Fluss hat keinen Anfang und kein Ende……..
……er fließt voll Kraft, Freude und ohne Beeinträchtigung durch die Welt………
Nun stellt Euch vor, dass er zu einem Wasserfall wird….unbändig über den Rand schießt…..und sich dort in unendlich viele Wassertropfen teilt…..manche sind groß, andere klein….manche rund, andere oval…manche werden zu Nebel….nehmen tausend verschiedene Formen an…..
……manche sind weit oben und können den Himmel sehen….andere sind weiter unten….haben viel über sich und können den Himmel nicht sehen….konzentrieren sich auf den Boden…auf das, was sie unter sich sehen….manche sind förmlich umzingelt und eingekeilt von anderen Tropfen…..
….manche ziehen sich an und verbinden sich zu größeren Tropfen, manche stoßen sich ab und rauschen in andere Richtungen…..manche sind links, manche rechts, manche erfahren kaum Licht, manche glänzen wie Kristalle durch das Sonnlicht, dass sie reflektieren……
…..viele haben Angst weil sie nicht wissen, was mit ihnen geschieht – doch einige……mit der Zeit immer mehr…..wissen, dass sie ein Teil des Flusses sind…..und genießen ihre Reise….zu schweben, zu fliegen, zu er-leben……
…..und stellt Euch vor, dass sie Gesichter haben…..den anderen zulächeln und ihnen zeigen, wie viel Freude es macht und was aus dem Fluss werden kann – damit auch sie ihre Angst lassen können und juchzend durch die Luft fliegen…..spüren, wie es ist, ein bewusster Tropfen des Flusses zu sein….
Doch auch, wenn manche Tropfen sehr furchtsam sind, macht das (dem Fluss) nichts – es kann ja keiner verloren sein…..alle Tropfen kehren wieder zu ihrem Ur-sprung….zum Fluss zurück…..früher oder später…….
…bis dann – nach vielen weiteren Wasserfällen – alle Tropfen wissen, dass sie auch ebenso der Fluss sind und während ihrer Reise durch die Luft miteinander spielen….tanzen, singen, lachen….
….und der Fluss durch sie noch viel mehr an lebendigen Erfahrungen macht – er liebt jeden einzelnen Tropfen dafür….heiligt jeden Tropfen….ob bewusst oder nicht, spielt für den Fluss keine Rolle – für ihn sind alle Tropfen heilig und er liebt sich Selbst dafür, all diese Formen annehmen zu können……
„Wenn Ihr diese Geschichte versteht, versteht Ihr alles, was Ihr wissen könnt und was Ihr für das Leben braucht“
Die Kinder saßen noch eine Weile bei ihm, sinnierten über die Geschichte und ließen sich von seinem offenen Lächeln und seinen vor Lebendigkeit blitzenden, funkelnden Augen betören – bis die Glocke im Dorf ihnen anzeigte, dass es Zeit ist, zu gehen……………

Lebe und liebe in Glanz, Frieden und Freiheit

Dein Aron